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so wars gewesen... in Vehrte, 2006
Es wurden zwei verschiedene Arten von Schildern im Wald verteilt. Zum einen die Schilder für arglose Spaziergänger, denen auf den Schildern erklärt wurde, daß es sich hier um Improvisationstheater ohne Zuschauer handelt, und daß die verwendeten Waffen, auch wenn sie auf Entfernung sehr echt aussehen, völlig ungefährlich sind. Zum anderen die Schilder für die Spieler und NSCs, mit denen das bespielbare Gebiet in Vehrte abgesteckt wurde - zum einen sollte nicht auf die abgezäunten Wildschutzgebiete ausgewichen werden, zum anderen sollten kilometerlange Märsche und abschließendes Abholen vom Osnabrücker Bahnhof vermieden werden.
Nachdem das "Stadttor" zwischen zwei Bäumen aufgespannt,
Tische und Zelte aufgebaut, die Schilder im Wald verteilt, und alles andere in der Küche verstaut
worden war, wurden am Lagerfeuer noch letzte Einzelheiten besprochen und gegen
Mitternacht legte sich Ruhe über den Zeltplatz. Jemandem fiel nachts um drei Uhr
zum Glück noch ein, mit den mitgebrachten Knicklichtern die gespannten
Zeltschnur-Stolperfallen zu markieren. Jemand anderes Mittwoch morgen. Mein durch den Regen in der Nacht halb ertrunkenes Zelt wurde trockengelegt (ich hatte mir die einzige leichte Senke auf dem Platz ausgesucht...), der obligatorische Kaffee mit viel Zucker und noch mehr Koffein getrunken, und dann kamen die NSCs an. Ihnen wurde der geplante Plot kurz erklärt, die ersten Rollen zugewiesen, Verkleidungsstoffe und Requisiten ausgehändigt, ein offener Armbruch wurde geschminkt, und alle begaben sich auf ihre Plätze. Währenddessen hatten die angekommenen Spieler ihre Zelte aufgebaut und sich umgezogen, dann wurde der Waffencheck (s.f.) durchgeführt. Die mitgebrachten Larpwaffen (Schwerter, Stangenwaffen, "Steine" usw., bestehend aus Schaumstoff (evtl. mit Glasfaserkern), ummantelt von mehreren farbigen Schichten Latex) werden bei einem solchen Waffencheck dahingehend überprüft, daß keine scharfen Kanten vorhanden und alle Teile fest miteinander verbunden sind, die sich im Eifer des Gefechts nicht lösen, der Glasfaserkern (falls vorhanden) auch bei Belastung an der Spitze nicht durch das übrige Polstermaterial durchsticht, die Waffen insgesamt nicht zu schwer sind (falls jemand seine Waffe nach jemandem wirft), daß die Waffen einigermaßen in den Plot-Hintergrund passen (keine Feuerwaffen im Mittelalter...) und dann kommt der wichtigste Teil: Eine Waffe wird erst zur
Waffe, wenn sie geführt wird, deshalb muß auch der waffenführende
Spieler einem Waffencheck unterzogen werden. Er wird zwar nicht auf
scharfe Kanten oder lose Teile geprüft, wohl aber auf die Kenntnis der Kampfregeln! (s.u.) Erst nach bestandener Überprüfung bekamen alle mitgebrachten und zugelassenen Waffen den TüV-Stempel, in unserem Fall gelbe Löwenzahnaufkleber, die weithin sichtbar sein sollten.
Neben dem Waffencheck ist es auch immer wichtig, noch einmal allen (!) Teilnehmern die wichtigsten LarpRegeln ins Gedächtnis zu rufen.
(drei NSCs als Räuber verkleidet, die Waffen mit TüV-Plakette)
Und dann ging es endlich los. Oder im Fachjargon: "Wir gehen INTIME." (gerne aus rituellen Gründen von den anwesenden Spielleitern im Chor gebrüllt...) Ein Mönch, eine Wundärztin, mehrere Krieger, ein Landstreicher und andere seltsam gekleidete Menschen kamen am Tor des mittelalterlichen Dorfes Vehrte an, und wurden vom Stadtschreiber und der Stadtwache (beides NSCs) nach Herkunft und Zweck ihres Besuchs in dem kleinen Dorf Vehrte gefragt. Nach diesen Formalitäten (die gleichzeitig auch die Anwesenheitsliste für die Organisatoren war) wurden sie empfangen von einem ganz normalen Dorfalltag, Marketender boten ihre Waren feil, Dorfbewohner schwatzten miteinander, und die Spieler bekamen (natürlich ganz zufällig...) mit, daß der Apotheker Ameldung sich Sorgen machte um seine Frau Anna, die der Hexerei angeklagt worden war, entkommen konnte und sich seitdem im Wald versteckte. Die Spieler wurden natürlich heimlich vom Apotheker um Hilfe gebeten, und so machte man sich auf die Suche nach Anna Ameldung, der Frau des Apothekers.
Die Spieler überlegten, ob sie Anna der inzwischen im Dorf eingetroffenen Inquisitionsabordnung ausliefern sollten, aber es entschied sich die Mehrheit dagegen. (Zum Glück, sonst wäre der Plot für drei Tage nach einer Stunde intime hinfällig geworden...)
(ja, es wurden auch Kompromisse zwischen mittelalterlichem Leben und neuzeitlicher Ausrüstung bei Regen gemacht. Unsere "Anna" musste bei ständigem Nieselregen etwa eine halbe Stunde auf ihre Retter warten - da waren blaue Plastikplane, Regenschirm und Gummistiefel zwar nicht ambientetauglich, aber notwendig... Gestört hat es niemanden.) Für diesen Tag war gar nicht all zu viel Plot geplant, es sollten sich alle erst einmal an das Spielen selbst gewöhnen, aber die erste Regel für Spielleiter lautet: "Ein Plot ist solange gut, bis er auf die Spieler trifft." Also raubten die Räuber dem Mönch bei einem der Ablenkungsüberfälle im Wald ein wertvolles Amulett, daß am späten Abend natürlich wiederbeschafft werden musste. Ein Teil der Spielleitung schlief schon tief und fest, während ein Teil der Spieler sich eine andere SL schnappten und noch bis spät in die Nacht auf Räubersuche und Amulettwiederbeschaffungstour gingen.
Nach drei Tagen voller Räuberüberfälle, zurückgeräuberten Gegenständen, dem Besuch bei einem durchgeknallten Eremiten in einer verlassenen Burgruine, der Suche nach seltenen Zutaten für einen Heiltrank, der Beobachtung eines geheimen Rituals einer noch geheimeren Ordensgemeinschaft, und einer abschliessenden Gerichtsverhandlung, bei der nicht die angeklagte Anna Ameldung verurteilt, sondern der Inquisitor von den Spielern zum Teufel gejagt worden war, nach vielen Plotänderungen aufgrund der ersten Regel für Spielleiter (s.o.), war der Plot gelöst, und das Larp vorbei.
Abends wurde gemütlich gegrillt, die meisten Spieler reisten ab, und aus Spielleitern wurden wieder Organisatoren, die gegen 5 Uhr früh dann auch versuchten, zu schlafen. Ein (P)paar wenige Stunden und viele Kaffee später wurde dann aufgeräumt - sämtliche im Wald angebrachten Schilder, versteckten und nicht gefundenen Schätze, der Wasserkanister, im Wald als (saubere) Quelle untergebracht, alles wurde zurückgebracht, nach dem xten Regenschauer dieses Tages die Zelte abgebaut und gesäubert, die Küche geputzt und die übriggebliebenen Nahrungsmittel beim gemeinsamen Grillen mit den Spielern und NSCs, die noch beim Aufräumen geholfen hatten, vernichtet. Gegen 22 Uhr sah das Gelände und das Naturfreundehaus Vehrte endlich wieder so aus, als wäre nie etwas geschehen. Bis die blauen Flecken und die Erkältungen bei ein paar Beteiligten verschwunden waren, dauerte es ein wenig länger, aber es blieben weder an Mensch, noch an Natur oder Material bleibende Schäden.
Es folgen nun noch die offizielle Einladung, mit der für dieses Larp geworben wurde, und der Zeitungsartikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung über unser Larp in Vehrte:
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