
Bild: Begegnung auf Parkbank,
Maren Fiebig,
Hamburg 1999
„Das große und das kleine NEIN“
von Gisela Braun/Dorothee Wolters
Das kleine NEIN sitzt auf der Bank im Park und ißt Schokolade. Es ist wirklich
sehr klein, richtig winzig und ganz leise.
Da kommt eine große, dicke Frau und fragt: „Darf ich mich zu Dir setzen?“
Das kleine NEIN flüstert: „nein, ich möchte lieber allein sein.“
Die große, dicke Frau hört gar nicht hin und setzt sich auf die Bank.
Da kommt ein Junge angerannt und fragt: „Darf ich Deine Schokolade haben?“
Das kleine NEIN flüstert wieder: „nein, ich möchte sie gern selbst essen.“
Aber der Junge hört nicht, nimmt dem kleinen NEIN die Schokolade weg und
beginnt zu essen.
Da kommt ein Mann vorbei, den das kleine NEIN schon oft im Park gesehen hat, und
sagt: „Hallo, Kleine. Du siehst nett aus, darf ich Dir einen Kuss geben?“
Das kleine NEIN flüstert zum dritten Mal: „Nein, ich will keinen Kuss.“
Aber auch der Mann scheint nicht zu verstehen, geht auf das kleine NEIN zu und
macht schon einen Kussmund.
Nun verliert das kleine NEIN aber endgültig die Geduld.
Es steht auf, reckt sich in die Höhe und schreit aus vollem Hals:
NEIIIN! und noch mal: NEIN, NEIN, NEIN!“
„Ich will allein auf meiner Bank sitzen...
...ich will meine Schokolade selbst essen...
... ich will nicht geküsst werden.
LASST MICH SOFORT IN RUHE!“
Die große, dicke Frau, der Junge und der Mann machen große Augen: „Warum hast Du das nicht gleich gesagt?“, und gehen ihrer Wege.
Und wer sitzt jetzt auf der Bank?
Ein großes NEIN! Es ist groß, stark und laut, und es denkt: „So ist das
also.
Wenn man immer leise und schüchtern Nein sagt, hören die Leute nicht hin. Man
muss schon laut und deutlich Nein sagen.“
So ist aus den kleinen NEIN ein großes NEIN geworden.