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oder auch:
"Wie
zum Teufel soll ich mich verhalten??"
Das Gefühl, helfen zu wollen, aber im Grunde nur hilflos
dastehen zu können, und nicht zu wissen, was jetzt richtig und was falsch ist
kennt wohl jeder, der sich einmal mit einer/einem Überlebenden beschäftigt
hat.
Es gibt auf fast jeder Homepage mit dem Thema "sexueller
Mißbrauch" eine Seite mit Tips für den Umgang mit Überlebenden. Und da
auch mich inzwischen viele gefragt haben, wie sie denn mit mir oder mit anderen
Überlebenden umgehen sollen, versuche ich einmal, eine allgemein gültige
Antwort zu schreiben. Ich habe bisher leider noch keine Tips aus der Sicht von
Freunden oder Partnern gefunden, und Tips und Ratschläge von Überlebenden
hören sich immer nach totaler Aufopferung und Wünsche-von-den-Lippen-ablesen
an. Bleibt da dann noch Raum und Zeit für einen selber?? Genau darauf möchte
ich besonderen Wert legen, vergesst Eure eigenen Bedürfnisse nie! Näheres
gibts dazu im folgenden Text.
Bei jedem ist das Garantierezept ein anderes. Also, alle
Angaben ohne Gewehr.
...beschäftige Dich bitte nur dann
mit dem Thema und mit dem/der Überlebenden als solche, wenn Du dazu bereit bist
- einzig aus einem bescheuerten Pflichtgefühl heraus macht es keinen Sinn! Du
kannst auch so eine gute Freundin, ein guter Freund sein...
Wenn Du Dich immer noch damit beschäftigen
willst, dann gilt:

RESPEKTIERE SEINE/IHRE GRENZEN!

Es gibt verschiedene Situationen bzw. Stadien :
(die ganzen er/sie-slashes sind einfach zu aufwändig, ich
habe der Einfachheit mal alles auf eine Überlebende gestrickt, in
Bezug auf männliche Überlebende ändert sich trotzdem nichts an den Aussagen!)

 | Du hast einen Verdacht.
1.: Informiere Dich! Du musst wissen, worüber Du
sprichst, was passiert sein kann, was passieren kann. |
 | Frage nach. Aber...! |
 | Frage nur nach, wenn Ihr beide Ruhe und Zeit habt.
Zeitdruck, Öffentlichkeit, Ablenkung sind Gift für ein solches
Gespräch. |
 | Frage nach, ob sie bereit ist für ein eventuell
unangenehmes Thema. Schildere Deinen Verdacht, teile mit, warum Du
Dich dafür interessierst. Reine Neugier, Schaulust macht Vertrauen
zunichte. |
 | Verwende keine zu eindeutigen Ausdrücke, diese könnten
triggern. Nutze Umschreibungen, allgemeine Aussagen, laß sie selber die
eindeutigen Ausdrücke benutzen, wenn Bedarf besteht und sie es kann. |
 | Beobachte. Ausweichen wird normal sein, Du wirst
nachhaken müssen. Aber übe keinen Druck aus, dem sie nicht gewachsne
ist! Wenn es ihr nicht gut geht dabei, wenn die Hände zittern, der Atem
schneller geht, der Blick unruhig, dann laß es bleiben. |
 | Gebe Zeit zum Antworten. Du wirst auch mal die Antwort
"mein Kopf ist wie leergefegt" bekommen. Das ist normal, manche
Erinnerungen verweigern sich jeden Zugriffs. |
 | Es kann (und wird) passieren, daß verdrängte
Erinnerungen und Ängste aufkommen, und sie anfängt, zu weinen, Angst
bekommt, Panikattacken bekommt, vielleicht alles auf einmal. Dann bleibe
bei ihr. Biete Deine Hand, Deine Schulter, Deine Umarmung an. Zeige ihr,
daß sie nicht alleine ist. Bitte keine Sprüche á la "Du brauchst
doch nicht weinen" - sie braucht es. Und sie darf es auch. |
 | Reden bedeutet auch Verarbeiten. Du musst
"nur" Zuhören. Aber Zuhören ist die allergrößte Hilfe, die
Du geben kannst. 
|
 | Du wirst aus heiterem Himmel mit dem Thema konfrontiert. |
(tja, ich hoffe, daß auch Leute, die noch nie mit dem
Thema konfrontiert wurden, dies hier lesen. Für den Fall der Fälle.)
 | Höre zu. |
 | Am besten kommentarlos. |
 | Gib offen zu, wenn es Dich schockiert, ängstigt,
sprachlos macht. Du kannst auch Hilfe erwarten von derjenigen, die Dir so
ein Thema gerade vor den Latz knallt. |
 | Wenn Du dem Thema ausweichen willst, Dich nicht damit
beschäftigen willst, dann sag es offen. Es war vielleicht der falsche
Zeitpunkt, der falsche Ort oder die falsche Person. Sag es aber bitte
offen, und wechsle nicht "ganz ungezwungen" das Thema. Biete ihr
eventuell an, später noch einmal auf das Thema zurückzukommen. |
 | Wenn Du dem Thema nicht ausweichen willst, dann warte ab,
bis sie fertig ist, und hake nach. Frage nach, wenn Dir etwas unklar ist,
frage nach, wenn Du Einzelheiten wissen möchtest. Das sind keine
Indiskretionen, sondern zeigt, daß Du keine Angst vor
"Ansteckung" hast

|
 | Du hast Gewissheit.
1.: Informiere Dich! Du musst wissen, worüber Du
sprichst, was passiert sein kann, was passieren kann.
 | Reden bedeutet auch Verarbeiten. Du musst
"nur" Zuhören. Aber Zuhören ist die allergrößte Hilfe, die
Du geben kannst. Biete Dein Ohr und Deine Hilfe an. Aber...! |
 | Er/Sie hat sich Dir schon anvertraut, das ist mehr, als
Du erwarten konntest. Gib Euch beiden Zeit. Warte darauf, daß sie von
sich aus anfängt. |
 | Wenn Du Fragen hast, wenn Du etwas wissen willst, dann
frage nach, ob du fragen darfst. Sie wird es Dir bei genug Vertrauen
öfter erlauben, als Du meinst. |
 | Wenn irgendwie möglich, biete ihm/ihr an, Dich in
dringenden Fällen auch nachts anrufen zu können, Dich bei der Arbeit
stören zu können usw. - und wenn es nötig sein sollte, dann sei da.
Auch mitten in der Nacht. Vielleicht nimmt sie dieses Angebot nie in
Anspruch, vielleicht aber musst Du auch einmal nacht um 3 Uhr ins Auto
springen, um dann um 6 Uhr wieder nach Hause zu fahren, weil sie einen
Übernachtungsgast im Moment nicht verkraftet. |
 | Wenn du meinst, sie brauche psychologische Hilfe,
dann sag es ihr. Aber erkläre auch die Gründe. Wenn Du Dich hilflos
fühlst, wenn Du siehst, daß sie sich selbst schadet. Biete ihr Deine
Hilfe bei der Suche nach einem Therapeuten an, begleite sie zu
Beratungsstellen oder zum Therapeuten, wenn sie es will. |
 | Es gibt auch noch andere Themen. Unternimm auch mal
etwas mit ihr, wo sie ihre Gedanken hinter sich lassen kann, und mal
abschalten kann. Lenk sie und Dich mal ab und habt Spaß zusammen! |
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 | Du bist Partner/in und hast Gewissheit, aber auch Wünsche. |
1.: Informiere Dich! Du musst wissen, womit Du lebst,
was passiert sein kann, was passieren kann.
Sprechenden Menschen kann geholfen werden!
Runterschlucken und Verdrängen ist für Euch beide ungesund.
 | Du hast Dich entschieden, mit einer Überlebenden Dein
Leben zu teilen. Respekt! Es ist schwer, kann aber auch eine Bereicherung
sein. Wichtig ist, daß Du Dich selber und Deine Bedürfnisse nicht
vergisst! |
 | Wenn Du erst nach Beginn Eurer Beziehung von ihrer
Vorgeschichte erfährst, dann überlege Dir gut, ob Du mit allen
Konsequenzen umgehen kannst. Wenn du sie liebst, musst Du Dich auf einiges
einstellen, musst Du bereit sein, auch Opfer zu bringen. Sei ehrlich zu
Dir selbst. Aber bekomm jetzt bitte keine Panik, das hört sich schlimmer
an, als es sein muß. |
 | Überlebende sind häufig nicht so konfliktfähig, sind
harmoniebedürftig. Wenn Du agressiv wirst, wenn Du Wut auf den
Täter/die Täterin/auf Deine Partnerin spürst, sag Ihr das, aber lebe
es woanders aus. Schaffe Dir selber Freiräume, tob Dich aus, beim
Tanzen, beim Joggen, bei Fitness, bei Debattierrunden, bei Deinen Hobbies.
Rollenspielrunden sind auch ganz praktisch dazu. ;) |
 | Während der Zeit des Verarbeitens (die sehr lange dauern
kann...) wird sie häufig nicht einmal die Kraft für alltägliche
Verrichtungen oder anderes haben. Sie wird sich vielleicht auch mit (in
Deinen Augen) unnötigen Dingen beschäftigen und ablenken. Kritik an
ihrer Schludrigkeit ist in solchen Fällen nicht angebracht. Helfe Ihr
stattdessen, schwing auch mal selber den Spülschwamm, wenn Du die
Möglichkeit hast. Noch einmal: Kritik ist unangebracht, sie macht alles
nur schlimmer. Lebe Deine Aggressionen in diesen Fällen ausserhalb der
Beziehung aus. |
 | Körperliche Nähe und Sexualität kann (muß aber nicht
zwingend) ein großer Problembereich sein. Das Wichtigste: Setze sie
nicht unter Druck! Fordere nie etwas, daß sie nicht möchte., aus
welchem Grund auch immer. Das können in Deinen Augen ganz banale Dinge
sein, aber bitte respektiere Ihr (verbales oder nonverbales) Nein. Es kann
sein, daß sie aufhören möchte, wenn es gerade für Dich am schönsten
ist. Akzeptiere es, wirf es ihr nicht vor, es kann an Erinnerungsblitzen
liegen, an deren Auftauchen ihr beiden keine Schuld habt. Du kannst dann
einfach ein paar Schritte zurück machen, und mit ihr auf eine Art
zusammen sein, die ihr angenehm ist. Und beim nächsten Mal einen neuen
Versuch starten, wenn sie einwilligt. |
 | Wichtig ist es auch für Dich, reden zu können. Tausche
Dich aus mit anderen Partnern, oder vertraue Dich einem verschwiegenen
Freund an. Rede darüber, rede über Deine Gefühle, gerade wenn es Wut
oder Aggressionen sind. Sei ehrlich zu Dir selber und zu dem, dem Du Dich
anvertraust. Im Internet gibt es auch Foren für Partner (siehe Linkliste)
, oder suche nach Selbsthilfegruppen in deiner Nähe. Auch wenn sich das
nach 70er-Jahre-Betroffenheits-Gelaber anhört, es kann eine große Hilfe
sein. |
Noch mehr Tips (die "goldenen 30 Tips") gibt es Hier. |